Macbeth in Grau und Gut

Eine “richtige” Premiere war es ja doch nicht. Die Produktion gab’s ja schonmal in Köln, deswegen stand ja auch überall “Berliner Premiere”. Aber die Inszenierung war es wert, eingekauft worden zu sein, soviel vorweg.

Aber der Reihe nach: Nach dem Verklingen der Ouvertüre sehen wir eine graue Wand mit ein bisschen Blut daran. Die Hexen treten als Putzfrauen auf, trinken ein bisschen und sagen dann die Zukunft voraus. Wir erleben Macbeth dabei in einer grauen Uniform und Banquo in einem grauen Anzug. Das kling jetzt erstmal fürchterlich grau, aber seien wir mal ehrlich: Was ist Macbeth denn? Farbenfroh? Das ist eine der wenigen Opern in der niemand irgendwen wirklich liebt, dafür lieben alle die Macht umso mehr. Ist das bunt? Nein, es ist blutig und grau, so wie es dargestellt wurde. Totalitäre Monarchien sind nicht bunt. Der Hexenchor gelang nach kurzen Anlaufschwierigkeiten aber tadellos.

Es folgt die Briefszene, das Zimmer ist…grau.  Auch Anna Smirnova als Lady Macbeth hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, die Spitzen klangen gerade in der Cabaletta “Or tutti sorgete” sehr scharf und angestrengt, auch das Böse, Machtbesessene kam noch nicht ideal rüber. “Fatal mia donna” und der Königsmord waren dagegen vollkommen überzeugend.

Im zweiten Akt muss man natürlich auf die schönste italienische Bass-Arie aller Zeiten eingehen, die Arie des Banquo. Ante Jerkunica verfügt zwar über ein in der Tiefe mächtiges und wohlklingendes Organ, hatte aber in der Höhe Probleme über das Orchester zu kommen und ist so kein Vergleich zu den ganz großen Interpreten dieser Rolle, aber jeden an Ghiaurov oder Raimondi zu messen wäre auch vermessen. Das Bankett gelang dagegen auch inszenatorisch brillant, gerade als am Ende auch sehr viele der Gäste die gleiche Wunde am Kopf hatten, wie auch der Geist Banquos.

Im dritten Akt fehlte das Ballett, leider, auch wenn der Aktschluss mit der “Ora di morte e di vendetta” sehr gut gelang, trotz der Tatsache, dass der Lord von seiner Lady (auch in der Inszenierung) an die Wand gesungen wurde. Was die Inszenierung gerade der Hexenbefragung angeht, möchte ich nicht alles verraten, nur so viel: Es ist wirklich gut gelungen.

Der vierte Akt: Ein grandioser Flüchtlingschor, ein wunderbarer MacDuff (Pavol Breslik), und endlich auch mal ein Macbeh (Thomas J. Mayer), der in seinem letzten Monolog mal zeigt, was er wirklich kann. Auch der Vittoria-Chor am Ende gelang hervorragend, und toll inszeniert: Ein Diktator folgt auf den nächsten, der Tyrann wird von einem Tyrannen beerbt und alles geht weiter. In Grau. Aber wie gesagt: MacBeth ist nicht bunt, MacBeth ist grau. Und so war die Inszenierung beklemmend, aber vollkommen passend. Erwähnen muss man auch das Dirigat: Nichts komplett besonderes, aber die dramatischen Stellen waren gut herausgearbeitet und die Tempi vollkommen angemessen. Eine sehr solide Leistung des Orchesters der DOB unter Roberto Rizzi Brignoli.

Fazit: Tolle Inszenierung von Robert Carsen. Gute, aber keine überragenden Sängern. Ein also ein sehr schöner Abend.

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