Es sind Festtage, die Staatsoper ist entsprechend geschmückt, das Anstehen um Stundenten-Karten beginnt früher (aber es gibt noch welche!) und die Abendkleid- und Anzugquote steigt. Und auch in den Pause spielte das Wetter mit um draußen im Lenz Currywurst aus Porzellanschälchen zu bekommen. Der Rahmen für besondere Opernvorstellungen stimmte also.
In das Dunkel des Schillertheaters tönte aber zunächst, wie von Barenboim gewöhnt und wie es die Akustik des Schillertheaters hergab, das Sturmvorspiel zum ersten Aufzug. Akustik ist schonmal ein gutes Stichwort. Der hier gespielte Wagner ist, im Gegensatz zum Bayreuther Mischklang durchhörbar. Und dann hob sich der Vorhang und wir blicken auf, Überraschung, einen Raum in einem Häuschen mit einem Stamm und einem Herd. Und Siegmund irrt waffenlos herein. Wir sehen als auf der Bühne, was im Libretto steht, das verdient schonmal Aufmerksamkeit. Leider gab’s dann aber für Hunding und Siegmund nichts zu essen und auch keinen Tisch, als das Mahl bereitet werden sollte. Dafür wurde die Projektionswand hinten wieder (wie im Rheingold, wenn auch nicht so intensiv) für Schattenspiele, die Hundings Kommen oder Sieglindes Tätigkeiten hinter der Bühne illustrierten, genutzt. Durch die kleine Bühne, die hier noch durch schräge Wände verkleinert wurde, entsteht dabei eine Kammerspiel-artige Atmosphäre. Das ist hier ja auch nur positiv, immerhin stehen da nur höchstens drei Menschen auf der Bühne. Und die überzeugten im ersten Aufzug voll und ganz. Simon O’Neill als Siegmund glänzte mit beeindruckenden Spitzen, Anja Kampe war mal einfühlsam, mal gefühlvoll ausbrechend und auch Mikhail Petrenko sang einen wunderbar düstren Hunding. Nach dem rauschhaften Finale ging es also mit einem echten Hochgefühl in die Pause.
Der zweite Aufzug: Meiner Meinung nach einer der schwächsten Aufzüge des ganzen Rings. (vielleicht muss ich jetzt hier den Siegfried mal ausklammern) Aber gerade das Gespräch zwischen Fricka und Wotan kann sich ziehen. Und leider tat es das dort auch, trotz eines herausragenden René Pape als Wotan, dem man nur leider manchmal anmerkte, dass er doch eigentlich ein Bass ist. Hier hätte sich die Regie wirklich mal was einfallen lassen können. Es folgt die Todesverkündung mit einer der komischten Regieideen des Abends: Der Wald, auf heruntergefahrene Stangen (die noch öfter zum Einsatz kamen) projeziert wurde, wandelte sich plötzlich zu einer grünen, stark an die Matrix erinnernde, grüne Zeichenkolonnen. Sollen wir da in eine höhere Ebene gehoben werden? Sollen die Götter diese Umgebung nur geschaffen haben, um die Menschen eben in diese Situation zu bringen? Oder wird Siegfried am Ende wie Neo rumlaufen und Hagen wie Mr. Smith? Letzteres wurde wenigstens dadurch unwahrscheinlicher, dass sich Hunding und Siegmund nicht in Bullettime bekämpften. Iréne Theorin war dabei eine Brünnhilde mit starker Bühnenpräsenz und toller Stimme, die vielleicht nur ab und zu Probleme hatte, gegen das große Orchester anzukommen.
Und dann fehlt da ja noch das Highlight: Der dritte Aufzug. Aus dem Orchestergraben kommt rauschhaft der Walkürenritt eine mächtige 3-D-Projektion prangt beeindruckend über der Bühne. Die Walküren kommen auf die Bühne: Die Kostüme sind schick, aber erscheinen ungeeignet für eine Schildmaid. Da ist nämlich kein Schild, schade, denn das störte auch schon beim Kampf im zweiten Aufzug. Gesanglich war die Walkürenriege aber gut drauf, die Szene geriet so eindrucksvoll, wie sie es muss. Nachdem Walvater dann angekommen war und noch mit Brünnhilde geredet hatte: Wotans Abschied. Eine der eindrucksvollsten Szenen des ganzen Rings. Pape gestaltet ihn hier hochemotional und wunderbar. Nur der Feuerzauber geriet mit Rotlichtlampen und Stangen irgendwie zu unspektakulär, wenn man das Rheingold mit der großen Tanztruppe gesehen hat (die haben damals den Tarnhelm getanzt- Warum konnten sie nicht den Feuerzauber tanzen?) und von der Pferde-Projektion beeindruckt war (da hätte man doch auch Feuer machen können) Aber bei DIESER Musik, in DIESER Qualität (Barenboim+Pape) muss ich dann einfach mal Monostatos aus der Zauberflöte zitieren: “Sollt’ es dich zu sehr verdriessen, O so mach’ die Augen zu!” Denn das Orchester zeichnete das “bräutliche Feuer” so grandios, dass man die komischen Lampen vergessen konnte.
Fazit: Riesengroßer Applaus für alle Beiteiligten, bis auf den Regisseur, hier haben wir ein geteiltes Bild. Ich weiß nicht, wo ich mich da einordnen soll, die Inszenierung war gut, vielleicht sehr gut, aber sicher nicht überragend. Trotzdem: Es gibt noch zwei Vorstellungen, es gibt noch Karten!
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